Die Gemeinde Riederich liegt am Nordrand des Landkreis Reutlingen im Ermstal und erstreckt sich bis auf die Höhen des Albvorlandes.
Ihren Bürgerinnen und Bürgern bietet die Gemeinde Riederich eine leistungsstarke Infrastruktur, vielfältige Arbeitsplätze und ein breites Freizeitangebot. Dank der verkehrsgünstigen Lage ist Riederich optimal angebunden: Die Bundesstraße B312 verläuft in unmittelbarer Nähe und schafft direkte Verbindungen nach Metzingen und Reutlingen. Den öffentlichen Nahverkehr sichern Buslinien des Verkehrsverbunds Neckar-Alb-Donau (naldo). Der nächste Bahnhof befindet sich im rund fünf Kilometer entfernten Metzingen und bietet Anschluss an das regionale und überregionale Schienennetz.
Landkreis: Reutlingen
Regierungsbezirk: Tübingen
Einwohnerzahl: ca. 4.200 (Stand: 2024)
Gemeindefläche: 4,61 km²
Archäologische Funde im Gewann "Brotlosen" deuten auf eine Besiedlung in der Jungsteinzeit hin.
Die "Heerstraße" zwischen Riederich und Bempflingen ist möglicherweiße römischen Ursprungs um 500 n. Chr., denn die frühere Schreibweise "Ruderichingen" deutet darauf hin, dass der Ort während der alemannischen Landnahmezeit besiedelt worden ist. Der alemannische Ursprung ist durch die Endung "ingen" nachgewiesen.
Riederich, damals noch Ruderichingen genannt, wird 1097 im Hirsauer Kodex in einer Kaufurkunde erstmals urkundlich erwähnt. Die Siedlung lag im Swiggerstal in der Grafschaft des Grafen Egino, der als Vorfahr der Grafen von Urach-Achalm gilt und gehörte später zu Burg und Herrschaft Achalm. Die Witwe Richinas von Spitzenberg (heißt auch: von Sigmaringen) verkaufte dem Kloster Hirsau ihr Gut für den Betrag von 78 Mark. Konrad von Württemberg als Verwandter der Verkäuferin machte Ansprüche an dem Gut geltend. Er wurde vom Kloster mit 30 Mark zufriedengestellt. Als Württemberg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Vogtei Achalm übernahm, fiel auch Riederich an Württemberg. Riederich fällt als einziger Ort des Oberamtes Urach an Württemberg. Bei der Kirchenerweiterung 1957 ergaben Untersuchungen, dass die Wände von einem romanischen Kirchenbau stammten, der spätestens im 13. Jahrhundert als rechteckige Saalkirche errichtet worden war.
Die württembergischen Herrschaftsrechte sind 1454 mit Zwing und Bann (Fronpflicht), Gericht und allen Rechten beschrieben. Beim Ortsnamen spricht man nun von Rüdrichingen. Aus dem 14. Jahrhundert stammen auch die Wandmalereien in der Kapelle zum Heiligen Leonhard (Evanglische Pfarrkirche). Um 1460 wurde die Kirche mit einem gotischen Chort erweitert. Die örtliche Mühle, Fronhof und Bauerngüter werden erstmals 1435/1437 im Lagerbuch des Klosters Hirsau erwähnt. Im 15. Jahrhundert wird Riederich zusammen mit weiteren fünf Orten in das Amt Urach eingegliedert.
1514 beteiligten sich Riedericher am "Armen Konrad", der im Herzogtum Württemberg aufbegehrte. "Als ordentliches Gericht" wurde 1522 Pfullingen für Riederich benannt. Der Ort ist vor und nach der Reformation kirchliches Filial von Bempflingen und gibt daher den Großen- und Weinzehnten (Kirchensteuer) nach Denkendorf ab. Um 1565 besaß das Kloster Hirsau eine Mühle mit Bannrecht in Riederich und erhielt Zinsen aus Äckern und Weingärten. Nach dem Hirsauer Lagerbuch wurde der Besitz von Neckartailfingen gepflegt. Im 16. Jahrhundert wurden in Riederich auf mehreren Hektar Weinbau betrieben. Hierfür gab es im Dorf eine eigene Kelter. Im Jahr 1634 zählt das Dorf 380 Einwohner.
Im dreißigjährigen Krieg beanspruchte Erzherzogin Claudia von Tirol den Ort als Teil der "Pfandschaft Achalm" und unterstellte ihn 1639/40 dem von ihr eingerichteten Amt Pfullingen. Während des Krieges wurde der Ort zu zwei Dritteln zerstört und auch die Mühle wurde niedergebrannt. Die Einwohnerzahl ging infolge des Krieges auf 110 zurück. Mit dem Westfäischen Frieden 1648 wurde das Dorf wieder Uracher Amtsort und gehörte dem Unteramt Metzingen an. Im Jahr 1697 wird erstmals eine Winterschule im Ort erwähnt.
Aus dem Jahr 1708 stammt die Erstnennung eines Rathauses in Riederich. Dieses steht heute noch in der Entenbachstraße 19.
Der erste Schulmeister kam 1818 nach Riederich. Ihm wurde 1839 ein Profisor beigegeben und 1879 eine zweite ständige Lehrstelle geschaffen. Im Jahr 1841 wurde in Riederich eine sogenannte Industrieschule eröffnet.
Ebenfalls im Jahr 1841 wurde eine ständige Pfarrverweserei errichtet, welche dann 1860 zur Pfarrei erhoben wurde.
In der Oberamtsbeschreibung Urach von Schwenkel heißt es u.a.: "Die Markung von Riederich ist sowohl innerhalb des Bezirks im Verhältnis zu der Einwohnerzahl klein und reicht entfernt nicht aus, das Dorf zu ernähren, so günstig auch die klimatischen und Bodenverhältnisse sein mögen. Natürliche Grenzen der Markung sind nirgends vorhanden".
Früher war Riederich ein reines Bauerndorf. Jedoch im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Bauerdorf immer mehr zu einer Arbeiterwohngemeinde. Die Bevölkerung betrieb die Handweberei als Hausgewerbe und viele Einwohner gingen auch als Taglöhner in die Gerbereien und Färbereien nach Metzingen.
Von erheblicher Bedeutung waren auch die Futterkräuter, der Wiesen- und Obstbau. Der Weinbau, welcher früher sehr ausgedehnt war, wurde im Jahr 1873 ganz aufgegeben. Im selben Jahr gründete sich im Ort ein Krieger- und Militärverein.
1875 wurde in der heutigen Stuttgarter Straße die Weberei Winkler (später: Zwirnerei Briegel) errichtet. Im Jahr 1879 wurde das neue Schulhaus (später Rathaus, heute Bürgerhaus) in der heutigen Mittelstädter Straße 16 eingewiehen.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Riederich der Sängerbund (1877), die Feuerwehr (1880) sowie der Turn- und Sportverein (1897), welche alle drei bis heute Bestand haben, gegründet.
Im Jahr 1900 leben 918 Menschen im Ort. 1903 wird in Riederich ein Sozialdemokratsicher Ortsverein gegründet. Zwei Jahre später erhält Riederich durch die Errichtung eine Telegraphenhilfsstelle im Gasthaus Rössle Anschluss an das Telegraphennetz. 1908 werden die Privathaushalte durch Anschluss an die Stromversorgung der Neckarwerke elektrifiziert. Die Weberei Winkler als einzig größere Firma im Ort verfügt im Jahr 1909 über 150 Webstühle und 100 Arbeitskräfte. Daneben gab es eine Mahlmühle und eine Branntweinbrennerei. 1914 wurde ein Krankenpflegeverein gegründet, welcher aber heute nicht mehr existiert.
Der Erste Weltkrieg fodert 46 Gefallene und neun Vermisste aus Riederich. Nach der Elektrifizierung erhalten die Privathaushalte 1928 durch den Bau einer Wasserleitung Anschluss an die Wasserversorgung. Im selben Jahr wird die Riedericher Pflichtfeuerwehr in eine Freiwillige Feuerwehr umgebildet.
1938 wir der Landkreis Urach aufgelöst und der Ort Riederich wird dem Landkreis Reutlingen zugeordnet. Nach Kriegsende 1945 gehört der Ort zur französischen Besatzungszone und es beginnt die Wandlung in eine Industrie- und Gewerbegemeinde. Mit der Ansiedlung von Gewerbebetrieben stieg auch die Einwohnerzahl stetig und betrug im Jahr 1950 1.238 Einwohner.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden im Ort mit der Ortskernsanierung, der Gutenbergschule (1965), dem Sport- und Freizeitgelände "Auf der Heide" (1976) sowie der Gutenberghalle (1980) mehrere große Infrasturkturprojekte realisiert, die bis zum heutigen Tage Bestand haben.
Im Jahr 1997 wird das große 900-jährige Ortsjubiläum und das 100-jährige Bestehen des TSV Riederich gefeiert.
Trotz allem Wandel hat Riederich über die Jahrhunderte seinen dörflichen Charakter sowie seinen liebevollen Reiz nicht verloren.
In Grün; zwischen zwei goldenen (gelben) Schrägbalken sind drei goldene (gelbe) Garnspindeln aneinandergereiht. Die Gemeindeflagge besteht aus den Farben Gelb und Grün (Gold - Grün).
1924 folgte die Gemeinde dem Vorschlag der württembergischen Archivdirektion, ihrem Ortswappen das apokryphe Wappen der Grafen von Achalm zugrunde zu legen, um an die einstige Zugehörigkeit zur Grafschaft zu erinnnern. Sie übernahm den grünen Schild mit den goldenen Schrägbalken udn ersetzte die Sterne durch drei goldene Garnspindeln, die zwischen den Schrägbalken angeordnet wurden.
Die Spindeln sollten auf die ortsansässige Textilindustrie hinweisen und allgemein darauf, dass sich das Dorf zu einer Industrie- und Pendlergemeinde entwickelt hatte. Die Flagge verlieh das Innenministerium formell am 30.08.1974.